medizinische universitaet innsbruck 1497130963

kenyon

Prof. Dr. Cynthia J. Kenyon

für die Entdeckung von Regulationsmechanismen des Alterungsprozesses bei C. elegans

Cynthia Kenyon gelangen grundlegende Entdeckungen auf dem Gebiet der Alternsforschung. Zu Beginn ihrer Studien, in den frühen 1990er Jahren, war dieses Gebiet noch nicht hoch kompetitiv. Zahlreichen Theorien standen wenige gesicherte Fakten gegenüber. Man verstand das Altern als einen vorwiegend passiven, unregulierten Prozess. Diese Anschauung änderte sich gründlich durch die Experimente von Cynthia Kenyon.

Ihre Grundhypothese war folgende: wenn Proteine den Alternsprozess regulieren, dann müssten Mutationen dieser Proteine die Geschwindigkeit des Alterns beeinflussen. Ihr Modellorganismus, der kleine Fadenwurm C. elegans, erwies sich für diese Fragestellungen als geradezu ideales Instrument: dieser Wurm hat eine sehr kurze Lebensspanne von etwa 19 Tagen und besitzt auch nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Genen – die mutiert und analysiert werden können. Schon bald konnte Kenyon ein Gen identifizieren, dessen Mutation die Lebensspanne des Wurms verdoppelte: Daf-2. Dieses Gen, später von der Arbeitsgruppe von Gary Ruvkun kloniert, ist jenem Säugetier-Gen ortholog, das den Insulin/IGF-1 Rezeptor kodiert. Damit war nachgewiesen, dass die Lebensspanne unter hormoneller Kontrolle steht und durch die Ernährung beeinflusst wird. Der nächste wichtige Schritt war die Entdeckung, dass ein Funktionsverlust von Daf-2, wie er bei den mutanten Würmern vorlag, zur Aufregulierung eines anderen Gens führt, nämlich Daf-16, das einen Transkriptionsfaktor der FOXO-Familie kodiert. Dieser Transkriptionsfaktor spielt offenbar eine zentrale Rolle bei der Regulation der Lebensspanne, da er zahlreiche weitere Gene reguliert, die funktionell wichtige und nützliche Proteine enkodieren – Antioxidantien, Chaperone, antibakterielle Substanzen. Das war ein weiterer Schritt von großer Wichtigkeit, da damit klar war, dass es nicht ein einziges Alternsgen gibt, sondern dass eine ganze Kaskade molekularer Vorgänge am Altern beteiligt ist, wahrscheinlich unter Kontrolle des Stoffwechsels. Darüber hinaus folgten noch weitere bedeutende Entdeckungen.

Was ist nun der Beitrag der Forschungen von Cynthia Kenyon, hat er Belang zur Biologie der Säugetiere und letztlich zur Behandlung von Menschen? Die letzten Jahre haben erstaunliche neue Einsichten erbracht. Viele Arbeitsgruppen haben Kenyons Konzepte weiterverfolgt, und es hat sich erwiesen, dass Änderungen im Insulin/ IGF-Signalweg auch bei Fliegen und Mäusen zur Lebensverlängerung führen, und dass die einzelnen Schritte der Regulation offenbar bemerkenswert gut konserviert sind. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass auch der menschliche Alternsprozess ähnlich reguliert ist, und dass es somit im Bereich des Machbaren scheint, die Lebensspanne durch therapeutische Intervention zu verlängern. In diesem Zusammenhang ist es besonders interessant, dass bei den mutierten Modelltieren die Lebensverlängerung gleichzeitig die Hinauszögerung altersbedingter Krankheiten mit sich brachte. Die Verschiebung des Alterns geht also mit einer Verschiebung oder vielleicht sogar Verhinderung von Alterskrankheiten einher.

Altern in Gesundheit ist fraglos das, was wir für uns und unsere Kinder anstreben. Die Arbeiten von Cynthia Kenyon sind sicherlich ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dazu.

1976 BS University of Georgia
1980 Training im Labor von Mark Ptashne, Harvard University
1981 PhD (Biology), Massachusetts Institute of Technology
1982-86 Postdoctoral fellow im MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, England (Sydney Brenner)
1986-present Department Biochemistry and Biophysics, UCSF (full professor since 1994)
2002-present Direktor des UCSF Hillblom Center for the Biology of Aging
   
Zahlreiche Gastvorlesungen, Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften
   
Preise:
   
2000 King Faisal International Prize for Medicine
2002 Life Extension Prize
2004 Discover Prize for Basic Research
2004 Award for Distinguished Research in Biomedical Sciences

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